Warum KI Sie nicht ersetzt, sondern Sie zur Führungsperson macht
KI ist schon länger in aller Munde. Eine erste Welle drehte sich um die Technologie und ihre Wirkung: Wo sie bereits eingesetzt wird, was sie kann und wie sehr sie die Arbeitswelt verändern wird. Unmittelbar danach folgte die zweite Welle: Ratschläge, Tipps, Tricks und Weiterbildungen rund ums «Prompting» und den richtigen Umgang mit KI.
Ganz ehrlich: Wem ist es zu verübeln, wenn das verunsichert? Wenn Gedanken auftauchen wie: Bin ich dem gewachsen? Was muss ich alles beachten? Was, wenn ich etwas falsch mache? Solche Fragen können schnell in eine Abwehrhaltung führen. Und die ist aus meiner Sicht verständlich, aber wenig zielführend. Denn eines ist ziemlich sicher: Rückgängig machen lässt sich die Entwicklung nicht.
Ich möchte deshalb heute einen Perspektivenwechsel vorschlagen – und damit verbunden eine etwas lockerere, alltagstauglichere Haltung.
Gönnen Sie sich eine Assistenz
Sehen Sie KI nicht primär als «Tool», das man perfekt bedienen muss, und auch nicht als Konkurrenz. Sehen Sie KI als das, was sie im Alltag sein kann: Ihre persönliche Assistenz.
Ich selbst nutze – je nach Bedarf – verschiedene KI-Systeme wie ein Team aus sehr fleissigen persönlichen Assistenzen: als Content Creator, Lektorat, Grafik-Unterstützung oder auch als Sparringpartner für Ideen. Mit guten Anweisungen liefern sie erstaunlich viel – und ja, damit sind wir wieder beim Prompting. Nur: Prompting wird leichter, wenn Sie es nicht als «Technik» verstehen, sondern als Aufgabenklärung.
Sie sind nicht überflüssig, Sie führen
Heisst das, dass Sie überflüssig werden? Nein. Im Gegenteil: Das Prinzip, das in der Zusammenarbeit zwischen Führungsperson und Mitarbeitenden gilt, lässt sich sehr gut auf die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und einer KI übertragen.
Wenn Sie KI nutzen, sind Sie die Führungsperson. Sie müssen nicht mehr jedes Detail selbst ausformulieren, nicht jedes Summary mühsam verdichten oder alleine Ideen aus dem Nichts produzieren. Das kann KI sehr gut unterstützen. Ihre Rolle verschiebt sich: weg von reinem Abarbeiten, hin zu Steuerung, Einordnung und Verantwortung fürs Ganze.
Genau hier liegt ein wichtiger Punkt, gerade im Assistenzumfeld, wo ich die Sorge «KI macht mich überflüssig» des Öfteren höre. Ich sehe es anders: KI ersetzt Sie nicht, sie verändert Ihre Aufgaben. Und sie macht sichtbar, was Ihre Arbeit schon immer auszeichnet: Überblick, Priorisierung, Kontextwissen, Qualitätssicherung und Fingerspitzengefühl.
So geben Sie KI Aufgaben
Wenn Sie einer Person im Team einen Auftrag geben, sagen Sie nicht einfach: «Erstellen Sie einen Flyer. Punkt.» Sie geben Kontext und Rahmenbedingungen. Genauso funktioniert es mit KI. Statt «Schreiben Sie einen Text» hilft zum Beispiel:
- Ziel und Thema: Worum geht es genau? Was soll am Ende klar sein?
- Zielgruppe: Für wen ist es gedacht?
- Ton und Stil: sachlich, locker, motivierend, kurz, ausführlich?
- Kernaussagen: Was muss unbedingt drin sein?
- Form: Blogartikel, LinkedIn-Post, Management Summary, Flyer-Text etc.
- Grenzen: Was soll nicht passieren (z. B. keine Spekulationen, keine neuen Fakten)?
Der entscheidende Schritt ist der Haltungswechsel
Wichtig ist aus meiner Sicht weniger die perfekte Prompt-Formel als der Haltungswechsel: KI nicht als Bedrohung zu sehen, sondern als Unterstützung, die Ihnen Arbeit abnehmen kann ohne Sie überflüssig zu machen.
Denn eines bleibt sicher: KI nimmt Ihnen das Denken nicht ab: Ohne Kontext kein passender Output. Ohne Ziel kein roter Faden. KI liefert Vorschläge, Verantwortung für Inhalt und Wirkung tragen Sie.
Probieren Sie es aus: Riskieren Sie diesen Perspektivenwechsel. Ja, die Arbeit wird sich verändern. Einzelne Tätigkeiten werden weniger, andere wichtiger. Dafür gewinnen Sie Kapazitäten, die Sie sinnvoll einsetzen können – für Qualität, Koordination, Kommunikation, für das grosse Ganze.
Und wahrscheinlich wird es nach einiger Zeit ganz selbstverständlich sein, dass wir alle «unsere Assistenzen» haben, die Zusammenfassungen erstellen, Vorschläge machen, Varianten liefern. Nicht, um uns zu ersetzen, sondern um uns in eine andere Rolle zu bringen.
Übrigens: Auch bei diesem Text hat KI mich unterstützt: bei der Ideenfindung, bei stilistischen Varianten und als Stärkung in Momenten der Skepsis.
In diesem Sinne: Gratulation zur Beförderung! Sie sind jetzt die vorgesetzte Person Ihrer KI.
