Zweimal im Jahr findet in meinem Kleiderschrank ein Saisonwechsel statt: Die Sandalen wandern nach hinten, der Kaschmirpullover wieder nach vorne. Sommerkleider verschwinden, Boots und Mäntel feiern ihr Comeback. Aber einfach Sommer raus und Herbst rein? Das wäre eine verpasste Gelegenheit.
Für mich als Stylistin ist der Garderobenwechsel der perfekte Moment, um den eigenen Stil unter die Lupe zu nehmen, denn jetzt zeigt sich, was funktioniert und was nicht.
Bilanz ziehen
Bevor Sie Ihre Sommergarderobe verstauen, schauen Sie noch einmal genau hin: Welches Kleidungsstück haben Sie oft getragen und welches kein einziges Mal?
- Warum war dieses eine Kleid Ihr treuer Begleiter? War es die Farbe, der raffinierte Schnitt oder weil Sie sich darin so richtig wohl gefühlt haben?
- Warum blieb die eine Bluse immer hängen?
Genau diese Antworten sind wertvoll. Sie verraten viel über Ihren persönlichen Stil und helfen, zukünftige Fehlkäufe zu vermeiden.
Mein Tipp: Fotografieren Sie Ihre fünf liebsten Sommerlooks. Mit der Zeit entsteht so Ihr persönliches Stilarchiv und Sie entdecken darin Schnitte, Details oder Farben, die immer wieder auftauchen. Das ist kein Zufall, das ist Ihre Stilpersönlichkeit.
Muss die Sommergarderobe komplett verschwinden?
Bevor ein Kleidungsstück in der Box landet, stelle ich mir eine weitere Frage: Kann ich es auch im Herbst tragen? Ein Seidenrock beispielsweise passt wunderbar zu Strick und Boots. Das Lieblingskleid funktioniert sogar mit Blazer, Strumpfhose und Stiefeln noch einige Wochen länger.
Gerade der Mix verschiedener Materialien macht Herbstlooks interessant: Seide trifft auf Strick, eine leichte Bluse auf Wolle, ein feminines Kleid auf derbe Boots. So nutzen Sie nicht nur Ihre Garderobe besser, ihre Outfits werden auch individueller und persönlicher.
Jetzt kommt Ihre Herbstgarderobe auf den Prüfstand
Bevor sämtliche Pullover wieder in den Schrank wandern, probieren Sie Ihre Herbst- und Winterteile an. Passt es noch? Fühle ich mich darin wohl? Zaubert die Farbe ein Lächeln auf mein Gesicht? Kann ich es mit mindestens drei anderen Teilen kombinieren?
Meine liebste Frage dabei lautet: Wenn ich dieses Kleidungsstück heute im Geschäft sehen würde, würde ich es noch einmal kaufen? Ein Nein bedeutet nicht automatisch, dass es weg muss. Es lohnt sich, genauer hinzuschauen. Kleidung darf sich mit uns verändern und manchmal eben auch gehen.
Welche Farben ziehen mit in den Herbst?
Als Farbcoach achte ich beim Saisonwechsel besonders darauf, ob eine Garderobe farblich zusammenspielt. Herbst bedeutet nicht automatisch Camel, Weinrot und Senfgelb. Schauen Sie sich ihre Farben in Ihrer Sommergarderobe nochmals genau an. Ein Rosa im Sommer kann im Herbst ein Fuchsia, ein Beerenton oder ein Weinrot werden, ein Hellblau verwandelt sich in ein Marineblau oder Nachtblau, ein frisches Grün wird im Herbst ein Tannengrün oder ein Petrol.
Während den kühleren und dunkleren Jahreszeiten passen wir intuitiv unsere Garderobe farblich an und kleiden uns in dunkleren Farbnuancen. Je besser die Farben miteinander harmonieren, desto mehr Kombinationen entstehen und desto weniger Kleidung benötigen Sie.
Erst jetzt wird geshoppt, nicht vorher.
Schauen Sie zunächst, was Sie besitzen, kombinieren Sie neu und notieren Sie echte Lücken. Vielleicht fehlt kein weiterer Pullover, sondern ein guter Schuh, der drei vorhandene Outfits komplettiert oder ein hochwertiger Strick in Ihrer Basisfarbe ersetzt gleich mehrere mittelmässige Kleidungsstücke.
Fragen Sie sich beim nächsten Einkauf deshalb nicht nur: Gefällt mir das, sondern vielmehr: Ergänzt dieses Kleidungsstück meine Garderobe oder wertet es sogar gewisse Kleidungstücke auf?
Ein guter Kleiderschrank muss nach dem Saisonwechsel nicht überfüllter sein. Er sollte klarer, ruhiger und strukturierter sein und Ihnen jeden Morgen beim Öffnen Freude bereiten. Genau darin liegt der schönste Teil des Garderobenwechsels. Wir holen nicht einfach unsere Herbstkleidung hervor, wir entdecken unseren persönlichen Stil wieder ein kleines Stück neu.
