Back to new normal

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Manchmal habe ich das Gefühl, dass zum Thema COVID-19 schon alles besprochen wurde; dennoch gibt es immer wieder zum Teil überraschende Erkenntnisse. Caterina Melliger hat mich gebeten, das Feedback, das ich in den letzten Wochen von euch zum Thema «back to new normal» erhalten habe, zu teilen. Ich höre unisono, wie schnell sich Unternehmen und Mitarbeitende der neuen Situation gestellt und sich an sie angepasst haben. Eine neue Art des Arbeitens – da sind wir uns einig – hat Einzug gehalten.

Das letzte Jahr war in vielen Unternehmen davon geprägt, die Mitarbeitenden zu schützen und auf eine neue Art des Arbeitens einzustellen. Das ist insbesondere deshalb interessant, weil sich Unternehmen noch vor Covid auf Bürolösungen für ihre Mitarbeitenden konzentrierten, die vor allem die physische Zusammenarbeit fördern sollten. In einer früheren Ausgabe von Miss Moneypenny habe ich in diesem Zusammenhang von meinen Erfahrungen bei IDEO berichtet: Offene Büroräume, Co-Working, Community Spaces, Collaboration Rooms waren die Schlagwörter.

Nun, seit eineinhalb Jahren sieht es anders aus. Ich höre aus Gesprächen mit Kandidatinnen und Kandidaten immer wieder, wie schnell und effektiv Technologien für Videokonferenzen und andere Formen der digitalen Zusammenarbeit nicht nur eingesetzt wurden, sondern auch wie viele sich explizit Know-how in diesem Bereich angeeignet haben. Die meisten beschreiben die Umstellung rückblickend als unkompliziert und vergleichsweise einfach.

Laut einer McKinsey-Studie von 2021 geben 80 Prozent der Befragten an, dass sie gern von zu Hause aus arbeiten. Von den meisten von euch höre ich, dass ihr produktiver arbeitet. Vor allem scheint die Zeitersparnis durch den Wegfall des Arbeitswegs ein entscheidender Faktor zu sein. Die Gespräche der letzten Monate haben gezeigt, dass viele von euch gerade deshalb früh am Arbeitsplatz sitzen und produktivere Möglichkeiten gefunden habe, ihre Zeit einzuteilen. Die grössere Flexibilität bei der Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben hat den Wunsch verstärkt, künftig in einem Hybrid-Modell zu arbeiten. Komplett aufs Büro sowie auf persönliche Begegnungen verzichten, das wünscht sich kaum jemand. So werden gerade Grossunternehmen vermehrt auf hybride Arbeitsmodelle setzen und ihren Mitarbeitenden künftig mehr Flexibilität einräumen.

Gerade dieses Aufweichen vom fixen Arbeiten vor Ort schafft neue Möglichkeiten. Beispielsweise können durch virtuellen Austausch, geografisch unabhängige und Disziplinen-übergreifende Teams zusammengestellt werden. Dennoch wird die Zeit zeigen, ob das für die Unternehmen insgesamt zu einem akzeptablen «modus operandi» führen wird. Ich bin gespannt, wie sich diese neuen Arbeitsmodelle in der Praxis bewähren und ob sich Akzeptanz und Zufriedenheit einstellen werden. Vergessen wir nicht, dass wir diese neue Art zu arbeiten noch nicht wirklich erprobt haben. Welchen Einfluss die neuen Arbeitsmodelle auf die Unternehmenskultur und -gemeinschaften haben, werden wir sehen, wenn weniger physischer Austausch stattfindet. Lasst uns verfolgen, ob die Begeisterung anhalten wird. Bisher sind wir ja alle davon ausgegangen, dass es sich nur um einen temporären «Zustand» handelt. In der Realität wird sich zeigen, dass jedes Unternehmen andere Bedürfnisse bezüglich Zusammenarbeit und Kultur hat.

Welche Bedeutung die neue Arbeitsform für die Assistenz hat, bleibt abzuwarten. Grundsätzlich gelten ja für alle die gleichen Herausforderungen. Wie ich bisher in Erfahrung gebracht habe, scheint es ein ganz entscheidender Aspekt zu sein, von wo aus das Führungsteam (Chef/Chefin) künftig arbeitet. Sind die Vorgesetzten im Office, ist es die Assistentin meistens auch. Bei Abwesenheiten gibt es Flexibilität.

Insgesamt wurden die letzten anderthalb Jahre von der Assistenz-Community in Bezug auf «new work models» als überwiegend positiv wahrgenommen – viele Formen der virtuellen Zusammenarbeit haben bisher sehr gut funktioniert. Eine Herausforderung schien mancherorts – trotz guter Vorbereitung und virtuellen Begrüssungs-Meetings mit digitalen Handovers – vor allem das Onboarding neuer Mitarbeitender zu sein. Ich bin gespannt, welche Erfahrungen ihr gemacht habt. Schreibt mir gerne an mail@barnickelfellows.ch

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