Konfrontation oder Kollaboration? Warum es wichtig ist, achtsam zu sprechen

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Stellen Sie sich vor, es ist Reorg, und Ihr Chef kündigt sie der Belegschaft mit den folgenden Worten an: «Der starke Wettbewerb in der Branche, die Bedrohung durch neue Anbieter sowie die Zunahme der Kundenmacht fordern von uns Resilienz und Innovationskraft.» Was machen diese Worte mit Ihnen?

Würden Sie als Mitarbeiterin dieser Firma von nun an die Kundinnen und Kunden mit offenen Armen und einem strahlenden Lächeln empfangen, während Sie sich neue, innovative Services für sie einfallen lassen, um sie zu begeistern – weil genau das in einer solchen Situation wichtig wäre?

Oder würden Sie die Kundschaft eher misstrauisch im Auge behalten und dafür sorgen, dass deren Macht nicht noch mehr zunimmt?

Und was ist mit den Wettbewerbern und den neuen Anbietern in der obigen Ankündigung? Würden Sie den Austausch mit ihnen suchen und versuchen, von ihnen zu lernen? Oder würden Sie sich Helm und Harnisch überziehen und sich für die Schlacht gegen diese Störenfriede rüsten? 

Wofür würden Sie sich entscheiden – Kollaboration oder Konfrontation? 

Oft werden Worte nicht mit Bedacht gewählt, sondern die Leute sprechen einfach, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. In Chefetagen wird häufig weder Deutsch noch Englisch, sondern «Powerlanguage» gesprochen. Ohne dass man sich dessen bewusst wäre:

Neue Märkte erobern.

Schlachterprobte Führungskraft.

Mit anderen Abteilungen auf Kriegsfuss stehen.

Aber hey: Es sind doch nur Wörter. Redewendungen. Sagt man halt so. Darf man nicht wörtlich nehmen. Oder?

Worte wirken. Sie sind es, die eine Botschaft transportieren und beeinflussen, wie eine Botschaft ankommt – das heisst, wie sich der Mensch fühlt, der diese Worte gerade gehört oder gelesen hat, und welche Aktion dieses Gefühl dann auslöst. Ob Kollaboration oder Konfrontation daraus resultiert.

Wörter, Formulierungen, Tonalitäten – sie prägen die Organisationskultur stark. Sie wirken sich darauf aus, wie gearbeitet, zusammengearbeitet und mit den Kundinnen und Kunden umgegangen wird. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, achtsam zu schreiben und zu sprechen und seine Worte mit Bedacht zu wählen.

Wobei, bitte nicht falsch verstehen: 

Man darf Märkte erobern und sich gegen eine Bedrohung durch die Konkurrenz wappnen. Doch sollte eine solche Ausdrucksweise einerseits zum Unternehmen passen und andererseits zur Situation. Es macht einen Unterschied, ob Sie ein Rüstungsbetrieb sind oder ein Spielzeughersteller, der Teddybären produziert. Ob gerade Krise ist oder neue Möglichkeiten am Business-Horizont leuchten.

In jedem Fall macht der Ton die Musik. Indem Sie achtsam sprechen und schreiben, beeinflussen Sie, ob es Marschmusik ist oder eine Symphonie.

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