SOS! Was hilft bei einem Choleriker?

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Es gibt Menschen, die bei jeder Kleinigkeit gleich Rot sehen. Hat man erste Wutausbrüche erlebt, ist man künftig auf der Hut, denn das jähzornige Verhalten ist schwierig einzuschätzen und kaum berechenbar. Man weiss nie, was einem beim nächsten Treffen blüht: Ist unser Wüterich heute guter Dinge, oder tobt er gleich wie Rumpelstilzchen? Wie kommt man bloss mit solchen Menschen klar?

Hatten Sie damit auch schon einmal zu tun: einen cholerischen Vorgesetzten, einen Kollegen, im wütenden Dauermotzmodus oder Kunden, die sich ständig über alles aufregen und dabei gerne verbal um sich schlugen? Sicher, jedem passiert es mal, dass man sich über etwas ärgert und seinem Zorn freien Lauf lässt. Bei einigen Zeitgenossen ist dieses Verhalten aber pathologisch und zerrt an unserem Geduldsfaden, bis der schliesslich reisst.

Typische Verhaltensweisen

Im Positiven werden Choleriker als willensstark, furchtlos und entschlossen beschrieben. Diese Leidenschaftlichkeit führt leider mit dazu, dass viele es kaum bis gar nicht schaffen, ihre negativen Gefühle zu kontrollieren. Ohne Vorwarnung zu explodieren ist typisch für Choleriker. Sie werden als leicht erregbar, aufbrausend und jähzornig beschrieben. Außerdem gehören sie oft der Gattung der Rechthaber an, wirken genervt oder schlecht gelaunt.

Ist der aufbrausende Zorn erst einmal chronifiziert, steckt der Betroffene in einer dauerhaften Verteidigungs- und/oder Angriffshaltung fest. «Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus», wussten schon unsere Vorfahren. Der psychologische Fachbegriff für diese Art der Verstärkung ist «Projektive Identifikation». Indem man beim Gegenüber grundsätzlich immer vom Schlechtesten ausgeht, verhält man sich entsprechend – wenn auch unbewusst – und provoziert damit genau das Verhalten, mit dem man sowieso rechnet.

Ursachen für cholerisches Verhalten

Hinter manchem Ausraster steckt das Gefühl von Unsicherheit oder Ohnmacht. Oftmals verlieren Choleriker die Selbstbeherrschung, wenn sie spüren, dass sie eine Situation oder die Dinge nicht mehr kontrollieren können. Choleriker sind unsichere Menschen, die sich nach Zuneigung und Anerkennung sehnen. Bei ihnen treffen Extravertiertheit und emotionale Instabilität zusammen. Sie sind stark nach aussen gewandte Menschen, deren zerbrechliches Ego schon bei kleinster Kritik zum Einsturz gebracht werden kann. Choleriker reagieren dann mit Trotz und schlagen verbal mit Beleidigungen um sich.

14 Tipps bei Cholerikern

Bei sich selbst zu bleiben und adäquat sowie besonnen zu reagieren ist sicherlich eine Königsdisziplin, wenn ein Choleriker erst einmal in Fahrt gekommen ist. Dennoch sollte man im ersten Schritt alle Optionen auszuloten, die eine Verbesserung des Umgangs zur Folge haben könnten. Falls sich das als unmöglich erweist, folgt der zweite Schritt: Setzen Sie Ihre persönlichen Grenzen fest, und seien Sie konsequent bei der Absicherung Ihres Terrains!

  1. Nehmen Sie bloss nichts persönlich!

Poltert der Choleriker los, hilft nur, den Tornado an sich vorbeiziehen zu lassen und nichts in die Glut zu werfen, was zur nächsten Explosion führen könnte. Sind Choleriker in Fahrt, helfen weder warme Worte noch aggressiver Widerstand. Der Choleriker ist taub vor Wut. Achten Sie beim Donnerwetter lieber gut auf sich selbst. Seien auch Sie taub! Weichen Sie innerlich zurück. Sobald der Choleriker abgekühlt ist, kann man einen neuen Gesprächsversuch starten, aber achten Sie auf mögliche Tretminen.

  1. Beobachten und Zuhören

Das mag paradox klingen, insbesondere wenn Ihr Berserker gerne mit Kraftausdrücken um sich wirft, aber vielleicht kommen Sie so der Ursache seines Verhaltens näher: Warum verhält er sich so? Was will diese Person wirklich? Worum geht es ihr?

Indem Sie in die Beobachterrolle gehen, befreien Sie sich von dem Impuls, aktiv zu werden. Zudem lenken Sie sich auf gewisse Weise ab, wenn Sie einfach nur verfolgen, was gerade passiert. Diese Ruhe kann beim anderen erstaunliche Effekte auslösen. Bedenkt man, dass der Choleriker auf der Suche nach Aufmerksamkeit ist, mag er sich so vielleicht beruhigen: Durch die urteilsfreie Haltung fühlt er sich gehört und hat keinen Grund mehr, mit extremen Verhaltensweisen auf sich aufmerksam zu machen. Möglicherweise langweilt es ihn auch mit der Zeit, und er sucht sich jemand anderen, der (unbewusst) dazu bereit ist, auf ihn zu reagieren.

  1. Überhören Sie Provokationen

Ignorieren kann eine Strategie sein, doch birgt allzu stark gezeigtes Desinteresse die Gefahr zu provozieren. Überhören Sie lieber jegliche Provokation und Angriffe. Gehen Sie nur auf den Sachinhalt der Äusserung ein. Lassen Sie sich nicht vom anderen in seinen negativen Strudel ziehen. Bleiben Sie bei sich. Denken Sie an etwas anders, wenn das Gewitter losbricht. Ich fange meistens im Kopf an zu singen – vielleicht ist das auch für Sie eine Lösung?

  1. Aller Unsachlichkeit zum Trotz sachlich bleiben

Als wirksam hat sich die sogenannte «Gerade-weil-Methode» erwiesen. Bei dieser Technik greifen Sie die Aussage des Cholerikers auf und funktionieren sie mit objektiven Argumenten so um, dass Ihre Aussage «genau deshalb» so richtig und zutreffend ist. Wichtig dabei ist, dass ein Zusammenhang zwischen Einwand und dargestelltem Argument bestehen muss, damit die Aussage nicht die Wut des Querulanten weiter befeuert. Ziel ist es, zu einem sachlichen Austausch (zurück) zu finden.

  1. Den Rückzug antreten

Das mag vielleicht feige oder wie eine Flucht wirken, ist aber eine legitime Möglichkeit, deren Botschaft möglicherweise klarer wirkt als Worte. Flippt Ihr Gegenüber aus ohne Hoffnung auf schnelle Beruhigung, dann verlassen Sie den Raum. Tun Sie dies mit dem Hinweis, dass Sie das Gespräch fortsetzen, wenn der andere sich beruhigt hat. Tun Sie das jedoch ohne ironischen oder sarkastischen Unterton.

  1. Demonstrieren Sie Selbstvertrauen

Insbesondere für zurückhaltende Menschen mag das schwer sein, aber machen Sie sich nicht klein, bieten Sie keine Angriffsfläche. Wer aufrecht steht, dem wird mehr Respekt entgegengebracht. Grämen Sie sich nicht, wenn Sie sich dabei vollkommen überfahren fühlen und Ihnen partout keine Erwiderung einfällt. Man kann nicht nicht kommunizieren, und Schweigen heisst nicht Zustimmen.

  1. In ruhigen Momenten die Spiegeltechnik anwenden

Nutzen Sie in ruhigen Momenten die Spiegeltechnik, auch bekannt als Chamäleon-Effekt, um Sympathie und Vertrauen zu schaffen. Es ist wissenschaftlich belegt, dass wir jemanden umso sympathischer finden, je ähnlicher er uns ist. Das Verhaltensmimikry übernimmt eine wichtige zwischenmenschliche Aufgabe und befriedigt unser Bedürfnis nach Harmonie, es ist wie eine Art sozialer Klebstoff. Ahmen Sie also die Körperhaltung, Gestik oder Mimik Ihres Querulanten dezent nach. Insbesondere Mikrogesten wie Lächeln, Gähnen, Nasekratzen wirken sehr ansteckend.

  1. Weder provozieren lassen noch selber provozieren

Insbesondere für extrovertierte Menschen ist es sehr schwer, nicht zu kontern, und sei es nur mit einem abschätzigen Blick. Sicher, der andere soll keinen Freifahrtschein erhalten und darf ruhig Ihre Empörung bemerken, aber verkneifen Sie sich jegliche provozierende Körpersprache wie z.B. mit dem Finger zu zeigen oder das Gegenüber mit dem Blick zu fixieren. Gleiches gilt für Humor. Er kann zwar manchmal die Stimmung auflockern, aber die Wahrscheinlichkeit, dass ein Lächeln als höhnisches Grinsen ausgelegt wird, ist hoch. Setzen Sie lieber ein Pokerface auf, als dem anderen weiteren Nährboden für sein aggressives Verhalten zu geben.

  1. Nicht fluchen

Vermeiden Sie zudem jegliche Verallgemeinerung und auch Fluchen. Das heizt den Konflikt nur an und kann schlimmstenfalls irgendwann später wieder gegen Sie verwendet werden. Ihr Gegenüber wird denken, dass Sie die Kontrolle verloren haben. Das gilt auch für extreme Reaktionen wie Weinen.

  1. Lieber Ich-Botschaften als Vorwürfe

Achten Sie auf Ich-Sätze. Wenn wir in unseren Aussagen bei uns bleiben, befreien wir unser Gegenüber vom Impuls, in den Rechtfertigungs- und Vorwurfsmodus zu gehen.

  1. Bloss nicht sagen: Entspann dich!

Einem Choleriker zu sagen, er solle sich beruhigen oder entspannen, wird wenig fruchten. Eher wird er die Aussage als Provokation und persönliche Abwertung aufnehmen, weil Sie ihm unterstellen, er sei unentspannt (auch wenn es stimmt).

  1. Verkneifen Sie sich das Lästern

Obwohl es entlastend sein kann, mit anderen über das nervige Verhalten eines Hitzkopfs zu lästern, ist es besser, darauf zu verzichten. Man landet ebenfalls in einer Negativspirale, kommt schlechter aus dem Frust heraus, und wenn ein abfälliger Kommentar an den Falschen gerät, ist man vielleicht in der nächsten Schusslinie. Zudem riskiert man, selbst als schwierige Person abgestempelt zu werden, wenn man sich wiederholt über andere beschwert oder über sie herzieht.

  1. Konsequenzen ziehen

Sofern es sich nicht um einen Vorgesetzten handelt, können Sanktionen lehrreiche Massnahmen sein, um klarzumachen, dass Sie den anderen nicht einfach gewähren lassen. Lehnen Sie es beim nächsten Zusammentreffen ab, ihm einen Gefallen zu tun oder eine lästige Aufgabe zu übernehmen, auch auf die Gefahr hin, dass der andere schon wieder an der Decke klebt. Erklären Sie sachlich, nicht schnippisch Ihre Gründe.

  1. Setzen Sie klare Grenzen

Ist der Wüterich Ihr Vorgesetzter, setzen Sie auch diesem klare Grenzen: Falls er Sie verbal angegriffen hat, sollte er das in seiner «Ruhephase» erfahren. Keiner hat das Recht, Sie anzubrüllen! Erwarten Sie aber keine Entschuldigung, für einen Choleriker als Rechthaber und Besserwisser ist das nahezu unmöglich. Jedoch soll er wissen, dass er keinen Freifahrtschein hat, ähnliche Beleidigungen zu wiederholen.

In letzter Konsequenz müssen Sie einen Personalverantwortlichen hinzuziehen. Erinnern Sie an die Sorgfaltspflicht eines jeden Unternehmens gegenüber seinen Mitarbeitenden. Die Tobsuchtsanfälle vergiften zudem das Betriebsklima und gefährden die Motivation der Beschäftigten.

 

1 comment for “SOS! Was hilft bei einem Choleriker?

  1. Simone
    21. Februar 2019 at 15:35

    Ein sehr spannender Artikel – allerdings scheinen mir die Tipps auch reichlich defensiv. Ich hatte einmal einen cholerischen Vorgesetzten und habe alle «guten Tricks» angewandt. Im Nachhinein wünschte ich mir, ich wäre das eine oder andere Mal auch mal spontan in die Luft gegangen, anstatt immer der «Klügere» zu sein. Manche Choleriker verstehen nur ihre eigenen Sprache.

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