Liebe am Arbeitsplatz

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Mit wem ich eine Beziehung führe, geht doch nur mich und meinen Partner oder meine Partnerin etwas an und hat sicherlich nicht meinen Arbeitgeber und meine Mitarbeiter zu interessieren, oder?

Das denkt man so im Allgemeinen und das ist grundsätzlich auch richtig. Problematisch und arbeitsrechtlich relevant kann es aber werden, wenn die Beziehung den Arbeitsplatz betrifft, das heisst, wenn sie zwischen Mitarbeitern oder Vorgesetzten und Mitarbeitern stattfindet. Viele spielen dann über Jahre ein anstrengendes Versteckspiel, oft auch, weil sie gar nicht wissen, ob solch eine Beziehung überhaupt erlaubt ist.

Arbeitsrechtlich darf man eine Beziehung am Arbeitsplatz nicht verbieten. Generell gilt, dass eine Liebesbeziehung unter Mitarbeitern Privatsache ist, solange ihre Leistung sowie berechtigte Interessen des Arbeitgebers dadurch nicht beeinträchtigt werden.

Wenn jedoch die Arbeitsleistung oder das Arbeitsklima leidet, so kann sich der Arbeitgeber auf sein Weisungsrecht berufen. Wenn sich andere Mitarbeiter durch die Bürobeziehung gestört fühlen, so muss der Arbeitgeber sogar von seinem Weisungsrecht Gebrauch machen, da ihn gegenüber allen Mitarbeitern eine Fürsorgepflicht trifft.

Helfen diese Weisungen nicht weiter, so kann der Arbeitgeber die Partner in verschiedene Abteilungen versetzen. Bei einer Versetzung hat ihnen der Arbeitgeber allerdings eine gleichwertige Position anzubieten. Das Paar hat sich um eine zufriedenstellende Arbeitsleistung zu bemühen und im Büro Professionalität an den Tag zu legen.  Falls sie sich nicht an die vertraglichen Pflichten halten und sich ihr Verhalten trotz Abmahnung nicht bessert, kann ihnen ordentlich gekündigt werden, in Extremfällen kann sogar eine ausserordentliche Kündigung in Betracht gezogen werden.

Da zwischen Vorgesetzten und Mitarbeiter ein Abhängigkeitsverhältnis besteht, können bei solchen Konstellationen zusätzliche Probleme auftreten. Beispielsweise könnte der vorgesetzte Partner den Mitarbeiter bei Entscheidungen bevorzugen oder benachteiligen oder seine Führungsposition bewusst ausnutzen. Es besteht daher immer die Gefahr, dass Vorwürfe der Ungleichbehandlung gegenüber anderen Mitarbeitern oder des Missbrauchs der Position als Führungskraft auftauchen. Daher empfehle ich in solchen Situationen, insbesondere wenn es um eine Führungskraft selbst und einen unterstellten Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin geht, dass sie die Beziehung den Vorgesetzten melden und sogar eine Versetzung beantragen, oder aber zumindest erwägen.

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