Lebenslektionen, die wir kennen – und beim Geld trotzdem vergessen

Im Leben läuft selten alles glatt; das wissen wir. Wir machen Fehler, wir lernen, wir versuchen es noch einmal. Bei Kindern finden wir das völlig normal. Niemand erwartet, dass sie beim ersten Versuch alles können. In der Schule hiess es: «Fehler sind Helfer»

Beim Umgang mit Geld sind wir meist strenger. Viele glauben, man müsse es «einfach können» und wenn etwas schiefläuft, fühlt es sich schnell nach persönlichem Versagen an.

Dabei gelten beim Geld dieselben Regeln wie überall sonst. Der Vierersatz «Own it. Fix it. Learn from it. Move on.» bringt diese Haltung auf den Punkt.

Own it – Fehler gehören dazu

Unvorstellbar, dass wir einmal nicht lesen konnten, oder? Bei meiner Tochter muss ich mich immer wieder daran erinnern, dass Fehler notwendig sind, um besser zu werden: Übung macht bekanntlich den Meister.

Die Erziehungs- und Lernexpertin Barbara Coloroso beschreibt in einem Interview, wie wichtig es ist, nicht nur Fehler anzuerkennen, sondern aktiv mit ihnen umzugehen: «If you make a mistake, it’s a very simple formula. Simple doesn’t make it easy. With a mistake, you own it, you fix it, you learn from it and you move on.»

Das ist eine sehr pragmatische Herangehensweise: Nicht wegschauen, nicht schönreden, sondern den Fehler als Ausgangspunkt für Lernen nutzen. Niemand ist von Anfang an gut oder sogar perfekt – weder im Job noch in neuen Lebensrollen (wie zum Beispiel in der Elternschaft).

Beispiel: Ich habe einen Pullover gekauft, der mir sehr gut gefällt, aber ich ziehe ihn kaum an.

Fix it – Probleme lösen sich nicht von selbst

Ein Problem verschwindet selten, nur weil man es ignoriert. Das wissen wir. Trotzdem hoffen wir beim Geld oft genau darauf. Rechnungen bleiben liegen und wichtige Entscheide werden vertagt.

In der Erziehungsarbeit wird häufig betont: Wenn Kinder einen Fehler machen, geht es nicht darum, sie zu bestrafen, sondern sie dabei zu begleiten, Verantwortung zu übernehmen und den nächsten Schritt zu finden. Fehler sind kein Endpunkt, sondern ein Anfang. Genau das lässt sich auf Finanzen übertragen. Veränderung beginnt nicht mit dem perfekten Plan, sondern mit einem konkreten Schritt.

Beispiel: Ich verkaufe den Pullover weiter oder spende ihn.

Learn from it – Wiederholungen sind Hinweise

Wenn sich Situationen wiederholen, ziehen wir in anderen Lebensbereichen Schlüsse daraus. Wir fragen uns, was dahintersteckt, was wir anders machen könnten. Beim Thema Geld bleibt es oft beim Selbsturteil: «Ich bin einfach schlecht darin.»
Dabei stecken oft Muster dahinter. Vielleicht wird aufgeschoben, wenn etwas unangenehm ist; zum Beispiel Gespräche über Erben oder Vorsorge (Wer spricht schon gerne über den Tod?). Vielleicht wird Geld ausgegeben, um Stress oder einen Fehler zu kompensieren. Wer das erkennt, kann beim nächsten Mal anders und vielleicht besser entscheiden.

Beispiel: Ich habe den Pullover gekauft, weil er im Trend ist. Das nächste Mal schlafe ich eine Nacht darüber.

Move on – Vergangenes ist kein Dauerurteil

Nicht jede Entscheidung lässt sich korrigieren, aber jede lässt sich einordnen. Dieses Wissen kann Klarheit schaffen und einem Sorgen nehmen. Weitergehen heisst nicht vergessen, sondern akzeptieren, dass etwas nicht optimal gelaufen ist. Ich weiss: leichter gesagt als getan. Auch mir fällt das nicht immer leicht.

Fehler sind aber nicht das Gegenteil von Kompetenz. Sie sind ein Teil von Kompetenz!

Und was jetzt?

Guter Umgang mit Geld bedeutet somit nicht, alles im Griff zu haben. Er bedeutet: hinschauen (own it), einen Schritt machen (fix it), lernen (learn form it) und weitergehen (move on). Das sind keine speziellen Finanzfähigkeiten. Das sind Fähigkeiten, die wir in vielen Lebensbereichen längst nutzen. Vielleicht müssen wir sie bei Geld einfach öfter anwenden.

Parat für die Anwendung? Was war Ihr grösster finanzieller Fehler und was haben Sie daraus gelernt?

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