Should I stay or should I go?

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Vor einigen Monaten trat eine unserer Kandidatinnen ihre neue Stelle im CEO Office mit grosser Freude und viel Enthusiasmus an. Kaum gestartet, schlug ihr jedoch vor allem Zurückhaltung entgegen. Von ihren neuen Kolleginnen und Kollegen wurde sie ebenso wenig mit offenen Armen empfangen wie von ihrem Chef. Sie erlebte in den ersten zwei Wochen ein eher ablehnendes Umfeld. Zugegeben – schön ist das nicht. Aber eigentlich auch kein Drama. Und schon gar kein Grund gleich wieder das Handtuch zu werfen.

 

Vor einiger Zeit hatte ich mich schon einmal zu diesem Thema geäussert, möchte an dieser Stelle aber nochmal nachdoppeln. Wenn der neue Job die Erwartungen nicht erfüllt, besteht die Gefahr, dass der Arbeitnehmer die Stelle innerhalb des ersten Monats wieder kündigt. Dazu fiel mir kürzlich eine Studie von Robert Half in die Hände, welche sowohl für Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmer/innen von Interesse ist. Zunächst kurz die wichtigsten Erkenntnisse respektive Gründe für eine rasche Kündigung:

  • andere Aufgaben als die ursprünglich ausgeschriebenen/im Interview besprochenen
  • schlechtes Management
  • Unternehmenskultur
  • Suboptimale/keine Einarbeitung

Aus meiner Sicht ergeben sich daraus zwei Fragen:

  1. Wie lassen sich die tatsächliche Situation am Arbeitsplatz und die eigenen Erwartungen möglichst gut in Einklang bringen?
  2. Wie geht man mit Anfangsschwierigkeiten am besten um und wie kann man selbst die Situation verbessern?

Bewerber/innen können solche Diskrepanzen ganz einfach verringern oder gar vermeiden: Indem sie das Jobinterview dazu nutzen alle Fragen zu stellen und im Vorfeld eigene Recherchen zu Unternehmen, Mitarbeitenden und Arbeitsumfeld anstellen. Im Interview punkten diese Kandidatinnen dann nicht nur mit einer optimalen Vorbereitung, sondern auch mit gezielten Fragen und Faktenabgleich. Für die Recherchen sollten Bewerber und Bewerberinnen ebenfalls unbedingt das eigene Netzwerk einsetzen. Und vor allem eines gilt es immer im Hinterkopf zu behalten: Ein Bewerbungsgespräch dient beiden Seiten, sich ein Bild zu verschaffen.

Aber klar – alle Details lassen sich nie abklären. Trotzdem kann es nicht verkehrt sein, sich zum Beispiel den Arbeitsplatz anzuschauen und um ein kurzes Gespräch mit dem aktuellen Stelleninhaber/in zu bitten. Einige Firmen wünschen oder bieten sogar einen Probe-Arbeitstag an, um die Atmosphäre zu erspüren.

Aber auch Personalberatungsfirmen – in dem Fall wir – sind gefragt, ihren Job gut zu machen. Das gelingt oft, aber leider nicht immer. Was wir unseren Kandidaten und Kandidatinnen raten, müssen auch wir uns auf die eigene Fahne schreiben: Fragen stellen (auch kritische), um sich ein gutes Bild zu verschaffen und beharrlich bleiben, wenn es darum geht, den/die Vorgesetzten und das Umfeld kennen zu lernen. Nur dann ist das Bild wirklich komplett.

Was aber, wenn nach Stellenantritt trotz vorgängiger Analysen dennoch eine Lücke zwischen Erwartung und tatsächlicher Situation klafft? Muss deswegen gleich die Flinte ins Korn geworfen werden? Ich denke nicht. Denn nicht selten erwarten Menschen sehr viel und sind dann enttäuscht, wenn die Realität nicht der Vorstellung entspricht.

Eine weitere Ursache können Kommunikationsprobleme sein. Immer wieder hören wir, dass sich die «Neuen» zurückhalten und zwar aus Angst, sich eine Blösse zu geben. Genau daraus resultieren dann aber möglicherweise Situationen, die zu vermeiden gewesen wären.

Aber wie konkret kann das gehen? Einfach mal von selber die Initiative ergreifen und einen gemeinsamen Kaffee oder Lunch anregen, um sich besser kennen zu lernen. Gerade am Anfang gilt es, rasch Netzwerke aufzubauen. Bei unserem Beispiel hat das wunderbar funktioniert und es stellte sich schnell heraus, dass es vor allem Missverständnisse waren, die zu dem holprigen Start geführt hatten. Die Assistentin fühlt sich heute in ihrem Job rundherum wohl.

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