Frühling liegt in der Luft – und mit ihm ein seltsames Phänomen: Wir fühlen uns müde und gleichzeitig in Aufbruchstimmung. Woran liegt das? Und was hat das mit unseren Finanzen zu tun?
Endlich Frühling! Die Tage werden länger, die Blumen blühen – und mit dem Licht kehrt auch die Lust auf mehr Zeit im Freien zurück. Hat das Frühlingsfieber Sie schon gepackt? Mich auf jeden Fall – gleichzeitig fühle ich mich aber auch müder als sonst. Und dafür gibt es sogar einen Fachbegriff: Frühjahrsmüdigkeit. Unser Körper passt sich den neuen Gegebenheiten an, Stoffwechsel und Hormonhaushalt stellen sich um – und das kostet Energie. Diese fehlt uns dann manchmal für andere Dinge.
Der Frühling macht müde – genauso wie Entscheidungen müde machen
Nicht nur der Frühling, auch Entscheidungen machen müde. Studien zeigen: Wir treffen bis zu 20’000 Entscheidungen pro Tag – manche sagen sogar noch mehr. Das wäre rund eine Entscheidung alle vier Sekunden, wobei die Schlafphase nicht berücksichtigt wird. Je mehr Entscheidungen wir treffen (müssen), desto weniger Energie bleibt für die nächsten. Dieses Phänomen nennt sich Entscheidungsmüdigkeit.
Zum Glück ist unser Gehirn clever und hilft mit: Die meisten Entscheidungen treffen wir automatisch, intuitiv und unbewusst – sonst wären wir überfordert. Ob wir mit dem Auto oder dem Zug zur Arbeit fahren, ob wir zu Hause frühstücken oder unterwegs – vieles läuft wie von selbst. Diese Automatisierung schützt uns vor mentaler Erschöpfung. Aber nicht alles soll automatisiert werden: Gewisse grosse Entscheidungen sollten wir bewusst treffen.
Finanzentscheidungen: Wichtig, aber oft aufgeschoben
Bei komplexen Themen wie Geld und Finanzen hilft Intuition oftmals nur bedingt, denn hier spielen nicht nur Zahlen eine Rolle, sondern auch Unsicherheit, fehlende Informationen oder Zukunftsplanung. Viele Finanzentscheidungen wirken langfristig, sind anspruchsvoll – und machen den wenigsten Leuten Spass. Kein Wunder, dass sie gerne aufgeschoben werden. Ein klassisches Beispiel im Frühling: die Steuererklärung.
Vieles bleibt liegen – nicht, weil es unwichtig wäre, sondern weil es Zeit und Konzentration braucht. Beides ist im hektischen Alltag oft Mangelware. Das führt mitunter auch dazu, dass wir beispielsweise teure Abonnemente behalten, die nicht mehr passen oder wichtige Vorsorgethemen verdrängen.
Frühjahrsputz fürs Konto: Warum gerade jetzt der richtige Zeitpunkt ist
Gerade jetzt – im Frühling – ist ein idealer Zeitpunkt, um finanzielle Themen anzupacken. Psychologen sprechen vom Fresh-Start-Effekt: Zu Beginn eines neuen Jahres, oder eben einer neuen Jahreszeit, sind wir eher bereit, Dinge zu verändern. Wir nehmen uns mehr vor, weil es sich anfühlt wie ein Neuanfang. Der Frühjahrsputz hat Tradition – warum also nicht auch bei den Finanzen ansetzen?
Drei Tipps gegen Entscheidungsmüdigkeit in Finanzfragen:
- Nicht abends entscheiden: Planen Sie anspruchsvollere Finanzaufgaben für den Morgen oder einen ruhigen Vormittag ein. Dann ist der Kopf noch frisch. Am Abend sind Konzentration und Energie meist erschöpft.
- Standardlösungen bewusst nutzen: Richten Sie Daueraufträge für Sparbeträge ein. Legen Sie fixe Routinen fest, beispielsweise jeden ersten Montag im Monat 15 Minuten für einen Finanz-Check. Das spart Energie und schafft Klarheit.
- Klein anfangen: Sie müssen nicht sofort alles optimieren. Kündigen Sie ein unnötiges Abo. Prüfen Sie eine Versicherung. Bereiten Sie die Unterlagen für die Steuererklärung vor. Kleine Schritte zählen und motivieren.
Fazit: Neue Gewohnheiten entlasten – auch bei finanziellen Themen
Gute Finanzentscheidungen müssen nicht kompliziert sein. Und Sie müssen auch nicht jeden Tag motiviert sein, um gut mit Geld umzugehen. So wie unser Körper Schlaf braucht, um neue Energie zu tanken, braucht auch unser Finanzleben regelmässig Ruhe, Struktur und Klarheit. Darum lieber heute als morgen starten – und Schritt für Schritt neue Gewohnheiten etablieren, die langfristig entlasten.